Motzstraßenfest…

… oder wie mache ich auf mich aufmerksam?

Samstag und Sonntag fand in Berlin rund um die Motzstraße das schwul-lesbische Stadtfest statt, also eine wunderbare Gelegenheit um sich umzuschauen, Leute kennen zu lernen und auch um immer wieder ungläubig den Kopf zu schütteln…

Als aller erstes fällt folgendes auf: Die recht sparsam gestreuten Hetero Pärchen laufen demonstrativ Händchen haltend durch die Gegend – und das nicht nur direkt auf dem Stadtfest, sondern auch in einem Gürtel von ca. 500m drum herum.

Es scheint als wäre die Hemmschwelle, versehentlich für einen Schwulen oder eine Lesbe gehalten zu werden doch noch recht groß…(Nein, ich werde mich jetzt nicht darüber auslassen, was das über unsere Gesellschaft sagt..)

Die zweite auffallende Tatsache: Jungs, ihr seid klasse! 🙂 Der wahnsinnig hohe Anteil an gutaussehenden schwulen Männern, die sehr gepflegt und auch gut gekleidet sind, ist wohl exemplarisch für die schwule Community. Allen Hetero Frauen sei hiermit mein Beileid ausgedrückt – ich habe es schließlich schon selbst erlebt, wie deprimiert Frauen aus einer Schwulen – Disco herausgehen und anschließend wissen, wo all die gut aussehenden Männer geblieben sind…

Kopfschüttler Nummer drei: Der wahnsinnig hohe Anteil an sich vernachlässigenden, schlecht gekleideten Lesben. Mädels, was ist los? Wäre das ein Einzelfall würde ich ja nichts sagen, aber bitte, das sieht man leider immer und immer wieder.

Es scheint für manche Frauen zum „lesbischen Lebensstil“ dazu zu gehören, in schlecht sitzender, und meist schon seit Jahren aus der Mode gekommener Kleidung (bei einem nicht unerheblichen Teil wage ich sogar zu bezweifeln, dass sie jemals in Mode war…) und mit möglichst kurzem Haarschnitt dafür aber umso mehr Tattoos, durch die Straßen zu flanieren.

Wundert sich da eigentlich überhaupt noch jemand über das sich hartnäckig haltende Image von Lesben – Frauen mit Flanellhemd, zu weiten Jeans, Männerhaarschnitt und ungezupften Augenbrauen??

Gut, jedem das Seine, aber dann gegen das Klischee wettern und selbst doch genau hineinpassen? Das passt meiner Meinung nach einfach nicht zusammen.

Allein in meinem Bekannten- und Freundeskreis kenne ich viele sehr hübsche, auf sich achtende und normale Frauen die auf Frauen stehen.

Doch diese scheinen im Allgemeinbild der Gesellschaft von homosexuellen Frauen einfach nicht aufzutauchen.

Dieses verzerrte Bild wird leider von Pro7 auch noch unterstützt. Ich will nicht behaupten, dass die in den USA sehr erfolgreich laufende „Lesben Serie“ „The L Word“ ein wahnsinnig realistisches Bild von der Community zeigt, aber dennoch werden die unterschiedlichsten Charaktere und damit eben auch feminine Lesben und die unglaubliche Vielfalt gezeigt.

Dadurch dass die Ausstrahlung der 2. Staffel in Deutschland immer und immer wieder verschoben wird (in den USA lief bereits die 4. Staffel, die 5. ist in Arbeit…) und sich die treue Community natürlich sowieso schon alle Folgen besorgt hat (die bereits auf DVD erhältlichen Staffeln 1-3, YouTube, Freunde in den USA, Bittorrent Netzwerke, um nur einige Möglichkeiten zu nennen…) ist die Wahrscheinlichkeit, dass „The L Word“ jemals einen entsprechenden Zuschaueranteil in Deutschland erreichen wird wohl sehr gering. (Mal ganz zu schweigen von der geplanten humanen Sendezeit nachts um 00:45…)

Ich halte es hier mit der Feststellung einer der Schauspielerinnen der Serie, Jennifer Beals (Ja, die „Flashdance“ Jennifer Beals…):

“(…) certainly when society fails to tell your story, there is an unspoken message that the story is not worth telling. (…)

To know that you EXIST and then to know that you exist in a larger, beautiful context and then finally to know that WE ALL exist as one larger, extended group is very fulfilling. (…)

The audience who watches the L-Word are a diverse group. And what does that mean? Despite all the shameful efforts to divide this country over issues like who gets to choose, who gets to call themselves a patriot and who does not and who gets to marry and who does not, people, not just gay people, not just horny hetero guys but a lot of people are interested in stories about a group of lesbians in West Hollywood. And in those stories about a group of lesbians in West Hollywood people recognize their own humanity and therein lies the power and potential beauty of television. (…)”

(Jennifer Beals bei den 16. GLAAD Awards)

Ich glaube mit diesen Worten kann ich mein heutiges Post beenden, und meine eigene Menschlichkeit wiederbeleben – Mädels ich vergebe euch😉 Denn wären wir alle gleich wäre auch alles wesentlich langweiliger…

In diesem Sinne einen schönen Start in die neue Woche!!

CoLoUrFuLbLaCk

~ by Juliane on 18. June 2007.

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